Der „Bauturbo“ soll neue Wohnungen in Dresden bringen
Die Stadt benötigt deutlich mehr Quartiere, als derzeit gebaut werden. Die Bundesregierung vereinfacht die Genehmigungen. Was das für die Dresden bedeutet.
In Dresden sind derzeit 1800 Wohnungen im Bau. Um den Bedarf zu decken, werden mindestens 2300 pro Jahr benötigt. Wie die Stadt Anreize für Investoren schaffen und den Bau beschleunigen will.
Wie viele Wohnungen werden in Dresden benötigt?
Die Stadtverwaltung hat dazu eine aktuelle Prognose erstellt, gemeinsam mit Experten. Demnach werden bis 2035 zusätzlich 22.800 Wohnungen benötigt. Zum ersten Mal liegt eine Analyse vor, die den Bedarf mit der Bautätigkeit, den möglichen Bauflächen und den Wohnungsmarktsegmenten abgleicht.
Von den 22.800 Wohnungen sollen 21.000 Wohnungen neu gebaut und 1800 bestehende sowie teilweise leer stehende Wohnungen saniert werden. Geplant ist, dass 19.900 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen und rund 1100 Wohnungen in Ein- sowie Zweifamilienhäusern. Bis 2035 wächst Dresden um etwa 19.000 Haushalte, bei den Plänen ist also eine Reserve vorgesehen.
Wie viele Wohnungen werden derzeit gebaut?
Aktuell sind 1800 Wohnungen im Bau. Allerdings nimmt die Bautätigkeit eher ab. Investoren haben aufgrund steigender Kosten und höherer Auflagen in den vergangenen Jahren immer weniger gebaut. 2020 wurden noch knapp 3000 Wohnungen gebaut und von 2016 bis 2020 im Durchschnitt 2500 Wohnungen. Von 2020 bis 2024 wurden rund 22.430 Wohnungen genehmigt. Bei etwa 3130 Wohnungen davon wurde bis Ende 2024 aber noch nicht mit dem Bau begonnen. Geht die Entwicklung so weiter, werden pro Jahr 1440 Wohnungen gebaut. Um bis 2035 die benötigten 22.800 Wohnungen fertig zu haben, müssten pro Jahr aber 2300 entstehen. Da kommt die Neubautätigkeit aktuell nicht heran. Wenn wir so weiterbauen, wird sich der Markt weiter verknappen. Wir müssen ins Bauen kommen.
Wie kann der Wohnungsbau beschleunigt werden?
Der Ende Oktober 2025 vom Bundestag beschlossene „Bauturbo“ soll auch in Dresden genutzt werden. Dabei geht es vor allem darum, die Genehmigungen zu beschleunigen. So gibt es in Dresden beispielsweise ein Bauvorhaben in Kaditz/Mickten. Der seit 2001 bestehende Bebauungsplan sieht mindestens 60, Die Hafencity ist eines der Neubauprojekte, die in den vergangenen Jahren abgeschlossen wurden, künftig soll der Wohnungsbau in Dresden auch mit dem „Bauturbo“ schneller gehen. Prozent Gewerbe vor und nur 40 Prozent Wohnungen. Für Gewerbe gibt es keinen Bedarf, für Wohnungen aber schon. Nach alter Regelung würde es drei bis fünf Jahre dauern, für das Gebiet einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, mit Wohnungen statt Gewerbe, rechtlich genehmigt zu bekommen. Mit dem „Bauturbo“ wäre dies nicht mehr erforderlich. „Das verkürzt den Prozess um mehrere Jahre“, so Kühn. In anderen Konstellationen könne immer mindestens ein halbes Jahr Zeit gespart werden. Der „Bauturbo” allein könne es aber nicht richten. Entscheidend für Investoren sei, dass die Baukosten sinken. Der Bund hat sich eine Halbierung der Baukosten zum Ziel gesetzt. Zudem hat das Land den Weg für den digitalen Bauantrag freigemacht. Das werde in Dresden nun angeboten. „Für den sozialen Wohnungsbau ist die Förderung in anderen Bundesländern attraktiver“, so Kühn. Darüber müsse Sachsen auch nachdenken. Die Stadt mache aber etwas, um Baugenehmigungen zu beschleunigen. So wurde eine monatliche Amtsleiterkonferenz einberufen, damit sich alle beteiligten Ämter schneller abstimmen. U
Es soll kein Spekulationsturbo werden, mit dem Bauherren Genehmigungen horten, sondern Wohnungen sollen schnell gebaut werden.
Baubürgermeister Stephan Kühn will für Dresden den „Bauturbo“ nutzen, damit Wohnungen schneller gebaut werden. Der Baubürgermeister von Dresden will die Stellplatzsatzung gemeinsam mit dem Dresdner Stadtrat überarbeiten. Diese regelt, wie viele Parkplätze bei neuen Wohnungen geschaffen werden müssen – ein Stellplatz kostet im Bau zwischen 50.000 und 80.000 Euro. „Vielleicht braucht nicht jede Wohnung einen Stellplatz“, erklärt Stephan Kühn. Auch damit könnten die Baukosten für neue Wohnungen in der Stadt gesenkt werden.
Verliert Dresden beim „Bauturbo“ die Kontrolle?
Den „Bauturbo“ anzuwenden, muss der Stadtrat zunächst grundsätzlich beschließen. Kühn schlägt dem Stadtrat vor, dies an Bedingungen zu knüpfen. Um auch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, soll das sogenannte kooperative Baulandmodell greifen. Das bedeutet: Ab 20 Wohnungen müssen 15 Prozent Sozialwohnungen entstehen, bei Projekten mit mehr als 100 Wohnungen, steigt diese Quote. Die Investoren sollen zudem verpflichtet werden, genehmigte Projekte innerhalb von drei Jahren zu bauen. „Es soll kein Spekulationsturbo werden, mit dem Bauherren Genehmigungen horten, sondern Wohnungen sollen schnell gebaut werden“, so Kühn. Vorgeschlagen wird zudem, dass die Verwaltung bis zu einem Hektar Fläche ohne Beteiligung des Stadtrates entscheidet und dieser nur bei größeren Vorhaben gesondert abstimmt. Sonst müsse jeder Bauantrag in den Gremien diskutiert werden. Damit dies nicht zulasten der Qualität geht, komme der Gestaltungskommission eine wichtige Rolle zu. Laut der Stadt gibt es derzeit Pläne für rund 10.000 Neubauwohnungen in Dresden, die so schneller gebaut werden könnte.






